Ernst zu nehmen

 

Wie unter dem Menüpunkt Angst erwähnt, sind Phobien und Ängste häufig anzutreffende Beschwerdebilder. Jetzt möchte ich etwas über eine Art der Angst schreiben, die besonders belastend sein kann:

 

Die Angst vor schwerer Krankheit.

 

Diese Art von Angst wird oft belächelt und nicht ernst genommen. Auch die lähmenden Aspekte für den Betroffenen werden oft unterschätzt. So müssen Betroffene sich häufig alleine und ohne Unterstützung durch Dritte mit diesem Krankheitsbild auseinandersetzen.

 

Der offizielle Name für dieses Krankheitsbild lautet: „Hypochondrie“ und bezeichnet die Beschäftigung mit der Angst vor schwerer Krankheit. Bereits geringe Symptome, wie Schmerzen, Entzündungen, Husten, Herzklopfen und so weiter, können Panik auslösen.

 

Die Betroffenen leiden intensiv, weil Ihre Angst bereits durch leichte und harmlose Empfindungsstörungen des Körpers ausgelöst werden kann. Wiederrum empfinden andere Betroffene die gleichen Ängste, wenn sie sich gedanklich mit der Gesundheit ihrer Kinder oder nahen Verwandten auseinandersetzen. Auch in solchen Fällen wird oftmals vom Schlimmsten ausgegangen.

 

Die meisten Menschen neigen dazu, sehr ungeduldig mit Betroffenen umzugehen. Oftmals meint man, solche Menschen wollen nur mehr Aufmerksamkeit oder sind in einer besonderen Weise überreaktiv. Dies gipfelt dann meistens mit dem Spruch: „Entspann Dich doch!“ Wenn es so einfach wäre, wenn die bloße Willenskraft ausreichen würde. Ja dann, dann wäre es in der Tat einfach.

 

Wie bei anderen Ängsten auch, handelt es sich bei der Hypochondrie nicht um rationale Störungen, die mit der Ratio (Verstand) behandelt werden können. Vielmehr handelt es sich aus unserer Sicht um eine tief verwurzelte irrationale Störung, die primär über biologische und unbewusste Signale bestimmt wird und durch diese Trigger immer wieder ausgelöst werden können. Letztendlich leiden Betroffene sehr unter ihrer Symptomatik und wären nur zu gerne in der Lage, „es“ einfach wegzudenken.

 

Um mit dieser ständigen Angst, die dieser Zustand erzeugt, besser fertig zu werden, gehen Betroffene häufiger zum Arzt. Auch mehrere fachärztliche Meinungen werden oft eingeholt. Die ärztliche Bestätigung der Harmlosigkeit der Beschwerden bietet manchmal eine vorrübergehende Linderung. Bereits die nächsten Körpergefühle oder Symptome jedoch, lassen oftmals die Ängste wieder aufleben.

 

Hypochonder neigen im Gegensatz zu anderen dazu, körperliche Symptome und Reaktionen nicht im angemessenen Verhältnis zur Schwere des eigentlichen medizinischen Zustandes zu sehen. So kann die Hypochondrie nicht nur den sozialen sondern auch den beruflichen Bereich sehr stark negativ beeinflussen.


Die Schwere der Erkrankung sollte von nahestehenden Personen ernst genommen werden. Man muss sich vor Auge halten, dass die Betroffenen sich diesen Zustand nicht freiwillig ausgesucht haben, ergo benötigen Sie Unterstützung und nicht Missbilligung. Hypochondrie ist als echte Krankheit zu verstehen und bedarf entsprechender Interventionen.

 

Faktoren, die dazu beitragen können, Hypochondrie auszulösen:

  • Trauer – der plötzliche Verlust eines nahestehenden Menschen
  • Die Krankheit eines nahestehenden Menschen
  • Selbsterlebte Krankheit oder Klinikaufenthalt in der Kindheit oder Jugend
  • Sexuelle und/oder körperliche Gewalt in der Kindheit
  • Überbehütete, ängstliche Umgebung oder Umfeld
  • Vorherige überstandene schwere Krankheiten
  • Schuldgefühle
  • Stress kann viele unerwünschte Gefühle hervorholen
  • Langeweile
  • Das Internet – Fluch und Segen zugleich. Man kann ausführlich im Netz suchen und sich dann darüber Sorgen machen

Typische Merkmale eines Hypochonders:

  • Sind davon überzeugt, dass sie krank sind
  • Recherchieren in medizinischen Fachbüchern oder im Internet
  • Häufiger Arztwechsel, wobei die Untersuchungen stets die gleichen Ergebnisse liefern
  • Haben Probleme mit zwischenmenschlichen Beziehungen, da sie fast nur noch über ihre Beschwerden sprechen können
  • Legen sich medizinische Prüfgeräte, wie zum Beispiel Blutdruckmessgeräte oder Blutzuckermessgeräte für die permanente mehrmals täglich stattfindende Kontrolle zu